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Bedrohten Arten ein zu Hause geben

(vom 19.04.2018)

Regierungspräsidium Gießen lässt Nistkästen für Mauersegler an Wetzlarer Liegenschaft aufhängen – Tipps für Hauseigentümer

Gießen. Das Regierungspräsidium Gießen (RP) geht mit gutem Beispiel voran und leistet einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Hierzu hat es an einer geeigneten Hausfassade der Wetzlarer Liegenschaft Nistkästen für die „Mitmach-Art“ Mauersegler (Apus apus) anbringen lassen. „Gerade als Obere Naturschutzbehörde möchten wir zeigen, wie einfach es sein kann, etwas für den Artenschutz direkt vor der eigenen Haustür zu tun“, betont Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich.

Die Kästen wurden von Mitarbeitern des Wetzlarer Energieversorgungsunternehmens enwag mit Hilfe eines Hubsteigers aufgehängt. „Unsere Heimat, und damit natürlich auch ihre vielfältige Natur, liegt uns am Herzen. Bei einer solch sinnvollen Aktion helfen wir natürlich gerne mit“, sagt Norbert Kortlüke, Aufsichtsratsvoritzender der enwag. Den Kontakt zur enwag hatte zuvor das Amt für Umwelt und Naturschutz der Stadt Wetzlar hergestellt.

Immer wieder ist in den Nachrichten zu hören: Auch in Hessen schrumpft die Artenvielfalt. Pflanzen- und Tierarten gehen drastisch zurück oder sind vom Aussterben bedroht. Um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken, hat das Land Hessen die Hessische Biodiversitätsstrategie entwickelt. Eines ihrer wichtigsten Ziele ist die Erhaltung und Förderung von Arten, für die Hessen besondere Verantwortung trägt. Diese Arten sind in der „Hessenliste“ aufgeführt. In der Hessenliste finden sich auch sogenannte „Mitmach-Arten“. Um diese zu erhalten, genügen meist erstaunlich einfache Mittel im eigenen Umfeld. Oft teilen sich diese Arten ihren Lebensraum mit den Menschen, wie zum Beispiel Mauersegler, Schwalben oder Fledermäuse.

„Helfen Sie mit, bedrohten Arten ein zu Hause zu geben“, ruft Sonja Heckrodt, Leiterin der Abteilung „Ländlicher Raum, Forsten, Natur- und Verbraucherschutz“ des RP Gießen, auf. Es gibt vielfältige Möglichkeiten: Nistmöglichkeiten können für bedrohte Vogelarten angebracht werden, ein Insektenhotel gebaut oder im heimischen Garten Blühmischungen ausgesät werden. Die sind besonders für Insekten geeignet und verschönern mit ihrer bunten Blütenpracht auch noch den Garten.

Der Mauersegler ist eine Vogelart, die die meiste Zeit ihres Lebens in der Luft verbringt. Er fängt seine Nahrung aus der Luft, fliegt flach über Gewässer, um Wasser aufzunehmen und kann sogar im Flug schlafen. Nur während der Brutzeit hat der Mauersegler Bodenkontakt. „Vielen von uns ist er mit seinen schrillen Rufen als Bote des Sommers bekannt“, berichtet Sonja Heckrodt. Der Mauersegler kommt nur in der kurzen Zeit von Mitte Mai bis Anfang August zur Brut und Aufzucht seiner Jungen nach Europa. „Die übrige Zeit verbringt er im sonnigen Afrika, südlich der Sahara.“ Als sogenannter „Gebäudebrüter“ baut er seine Nester in Nischen im Mauerwerk und unter Dachüberständen von Gebäuden. Doch der Mauersegler hat ein Problem: Durch die immer energieeffizientere Bauweise von Häusern und Gebäudesanierungen verliert er seine Brutplätze. Mit der Anbringung von Mauerseglerkästen (spezielle Vogelkästen) können jedoch neue Brutmöglichkeiten geschaffen werden.

Die Nisthilfe sollte so angebracht werden, dass der Mauersegler diese direkt und ohne Hindernisse anfliegen kann. Die Mindesthöhe der neuen Brutmöglichkeit sollte sechs Meter betragen, da sich der Mauersegler aus dem Nest fallen lässt, in der Fallphase beschleunigt und dann direkt losfliegt. „Bei der Anbringung des Nistkastens muss darauf Wert gelegt werden, dass dieser nicht der prallen Sonne ausgesetzt ist und an der Gegenseite des Gebäudes zur Hauptwetterrichtung angebracht wird“, gibt die Abteilungsleiterin einen paktischen Tipp. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass der Kasten zum einen nicht zu stark erwärmt wird, zum anderen vor Sturm und Starkregenereignissen geschützt ist. Und noch ein wichtiger Hinweis: Mauersegler sind Koloniebrüter, das heißt sie brüten nicht paarweise, sondern in größeren Gruppen. Deshalb sollten mehrere Kästen oder ein großer Kasten mit mehreren Brutmöglichkeiten aufgehängt werden.

Viele Hauseigentümer werden Angst haben, dass der Mauersegler die Gebäudewände mit seinen Hinterlassenschaften verunreinigen könnte. Dies ist glücklicherweise nicht der Fall, denn um sich vor seinen Feinden zu schützen, transportiert der Mauersegler seinen Kot weit weg vom Nest. Das hat den weiteren Vorteil, dass die in luftiger Höhe angebrachten Kästen nicht gereinigt werden müssen. Mauersegler sind sehr standorttreue Tiere, wenn sie einmal ein Nest bezogen haben, dann nutzen sie es zumeist auch in den Folgejahren und man kann sich an ihren sommerlichen Rufen und den akrobatischen Flugmanövern erfreuen.

Weitere Ideen und Anregungen sind auf der Internetseite der Hessischen Biodiversitätsstrategie www.biologischevielfalt.hessen.de zu finden.

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